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Theater

Dienstag, 4. April 2017

"Sterben in Kroatien"

nach Slavenka Drakulićs Essaysammlung "Vom Krieg mitten in Europa"Foto Tilman ReichSusebee

„Mama, sie schießen nebenan!“ - hört sie ihre Tochter in der Zagreber Wohnung schreien. Und Slavenka Drakulić berichtet über den Krieg, wie sie vorher über den Kommunismus schrieb – genau hinschauend, leidenschaftlich mitempfindend, im Privaten das Politische entlarvend.

Ihr Buch „Sterben in Kroatien“ umfasst fünfzehn schmale Kapitel. Sie spannen den breiten Bogen von unserer sicheren Tagesschau-Perspektive bis zu jenem weinumrankten Innenhof in Zagreb, in den die späte Nachmittagssonne fällt und der plötzlich wie eine Todesfalle aussieht. Die Schützen – Kinder, schreibt sie, aufgezogen mit „Humana“, und heute Jugendliche in Diesel-T-Shirts mit Nikes an den Füßen, Jahrgang 72 oder so, für die der Zweite Weltkrieg so weit entfernt ist wie Napoleon oder Sparta. Einer erzählt ihr ins Mikrophon, wie es aussieht, wenn der Nachbar brennt und seine Gesichtshaut schmilzt. Sie schreibt von einem jungen Mann, der einen Schulfreund erschlägt, weil der sich vor ihm damit brüstet, seine Eltern, Ustaschen, abgeschlachtet zu haben.

Es sind erschreckende Geschichten, manchmal schrecklich pathetisch. Sie enthüllen den Blick auf einen Krieg mitten in Europa, auf die Autorin und auf das, was dieser Krieg in ihr anrichtet: eine tiefe Verstörung und ein quälendes Gefühl der Schuld, ein Teil dieser Katastrophe zu sein.

Regie, Dramaturgie, Raum Konzept: Nada Kokotović
Kostüme: Joanna Rybacka
Musik: Chris Jarrett, Gabor Lengyel
Presse / Ö: Iris Pinkepank
Es spielen: Anne Simmering, Katharina Waldau, Nedjo Osman, Tuong Phuong

Förderung

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Kooperation

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