FESTLICHE ERÖFFNUNG

Foto: Maja Gugleta

Festliche Eröffnung am 26. Februar 2016
Eine festliche Eröffnung, die ihren Namen verdient. Das kann man über die Eröffnung der diesjährigen Balkantage sagen. Schon der äußere Rahmen im Münchner Literaturhaus trug dazu bei, dass mit der Sängerin Barbara Babic und dem Tamburin-Orchester des Gymnasiums „Svetozar Markovic“ aus Subotica in Serbien eine festliche Stimmung entstand.

Der Vorsitzende des Vereins „Hilfe von Mensch zu Mensch“ Dr. Dieter Hüttner hob dann auch hervor, dass mit den diesjährigen 10. Balkantagen das Besondere des Balkans sichtbar werden sollte: Der Balkan, Europas unbekanntes Juwel!

Frau Stadträtin Kathrin Abele überbrachte die Grüße des Oberbürgermeisters und führte aus, dass die Balkantage inzwischen ein Event im Veranstaltungskalender der Landeshauptstadt sind, dessen Programm jedes Jahr vielfältiger die reiche Kultur der Balkanländer in München lebendig werden lässt. Immerhin leben in München mehr als 200.000 Menschen, die ihre Wurzeln in den Ländern des Balkans haben.

Das fast 50 Seiten umfassende Programmheft enthält Vorträge, Lesungen, Ausstellungen, Musikvorführungen, Theatervorstellungen, das Programm der Balkanfilmtage und natürlich den Balkanbasar mit den Auftritten von 12 Kulturgruppen und das große Balkankonzert am 11. März im Carl-Orff-Saal im Gasteig.

Der anschließende Empfang mit Weinen und Spezialitäten aus Subotica in der Woiwodina rundeten das Programm ab, begleitet von erneuten Auftritten von Tamara Babic und dem Tamburin-Orchester. 

Die 10. Balkantage begannen mit einer Podiumsdiskussion

Zuversicht für die Balkanregion

Gleiches Recht für alle? Es war die Frage, die die Teilnehmer/innen des Podiums über die europäischen Sozialstandards beantworten sollten

Die Podiumsdiskussion zur Eröffnung der diesjährigen Balkantage startete mit einer schonungslosen Analyse der Situation der Probleme in den Balkanländern: Arbeitslosigkeit, Abwanderung der ausgebildeten Kräfte, Uneinigkeit der nationalistischen Potentaten, Versickern der EU-Gelder…

Der in Sarajewo lebende Publizist Erich Rathfelder und der griechisch-katholische Vertreter der rumänischen Caritas Nicolae Anusca aus Blaj waren sich in ihrer kritischen Beurteilung der aktuellen Situation weitgehend einig. Herr Rathfelder betonte, dass das alte Jugoslawien in sozialen Fragen vollkommen auf den europäischen Standards war. Herr Anusca musste zugeben, dass Rumänien noch weit entfernt ist von den demokratischen Vorstellungen Westeuropas.

Einen anderen Akzent setzte die Münchner Landtagsabgeordnete Diana Stachowitz, indem sie die hoffnungsvolle Rolle der Europäischen Union dagegenstellte, durch die in den Ländern des Balkans Zeichen gesetzt wurden, die auch in der Zukunft eine Chance für eine gerechtere soziale Ordnung bringen können. Sie machte den interessanten Vorschlag, dass für die aus diesen Ländern in Westeuropa arbeitenden Ärzte, Krankenschwestern und andere Fachkräfte ein Fond aufgelegt wird, in dem Gelder angesammelt werden, die der Erziehung und Ausbildung in den Balkanländern zugutekommen können. Die fachkundige Diskussionsleiterin Dr. Monika Kleck von Renovabis griff die positiven Ansätze schnell auf und die Diskussion drehte sich weg vom Jammern um die negativen Dinge hin zu positiven Vorschlägen, wie das Potential der Balkanländer in ein größeres Europa eingebracht werden könne, angefangen von der Stärkung des Rechtssystems bis hin zur Ansiedlung neuer Industrien, der Nutzung der Agrarproduktion und natürlich des Fremdenverkehrs.

So endete die Diskussion mit einer Note der Zuversicht und des Besinnens auf die Schätze der Balkanländer, ganz im Sinne des diesjährigen Mottos der Balkantage: Europas unbekanntes Juwel.

Spielfilm: Anatomie des Weggehens

Samstag, 27.02.2016

Foto: Maja Gugleta

Am Freitag, 27. Februar 2016 eröffnete der Dokumentarfilm "Anatomie des Weggehens" die Filmreihe der Balkantage. Die Vorführung fand im Monopol-Kino in  Anwesenheit des Regisseurs Oliver Tataru statt, der zugleich auch für das Programm der Filmtage verantwortlich war. 

Der autobiografische Film, entstanden als Abschlussarbeit des Regisseurs an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film, erzählt die Geschichte der Flucht Oliver Tatarus zusammen mit seiner Familie aus dem kommunistischen Rumänien des Diktators Nicolae Ceausescu. Aus Interviews mit seinen Eltern, Originalaufnahmen des heutigen Bukarest und Archivaufnahmen der 80er Jahre strickt der Regisseur eine ebenso lebendige wie nachvollziehbare Welt der Angst vor Verfolgung, der Entbehrungen aber auch der Hoffnung einer Familie auf ein besseres Leben in Deutschland. 

Im Anschluss an die Projektion fand im gut besuchten Kino ein Gespräch mit dem Regisseur Oliver Tataru statt. Die Fragen des Publikums kreisten sowohl um die Umstände der Flucht aus dem Rumänien der 80er Jahre als auch um die Frage nach dem Verlust der Heimat, ein Thema das offensichtlich die Zuschauer sehr beschäftigte, da viele von Ihnen Migranten oder Nachfahren von Migranten waren. Es stellte sich heraus dass viele der Zuschauer ihre Heimat sehr tief im Herzen tragen und über die Jahrzehnte ein idealisiertes Bild vom ehemaligen Zuhause entwickeln.

Literatur

Sonntag, 28. Februar

Foto: Maja Gugleta

An dem kühlen Sonntag kamen über 80 Gäste in den gemütlichen Presseraum im Gasteig zur Autorenlesung mit Barbara Markovic, Martin Kordic und Denijen Pauljevic. Eröffnet hat Sadija Klepo, die Gründerin des Vereins Hilfe von Mensch zu Mensch, mit einer dynamischen und spritzigen Rede. Alle drei Romane - "Superheldinnen" (Markovic), "Wie ich mir das Glück vorstelle" (Kordic) und "Der Wundenleser" (Pauljevic) zeigen, wie eine der Anwesenden bemerkt hat, „dass auch die junge Generation die Folgen des Balkankrieges der 90er Jahre entweder direkt oder indirekt erfahren hat und sich damit auseinandersetzt.“

Am Ende gab es Fragen aus dem Publikum und anschließend spannende Diskussionen.

Der Nachmittag wurde musikalisch umrahmt von dem Tamburiza-Orchester „Svetozar Markovic“ aus Subotica. Eines der Lieder hat die serbische Sängerin Tamara Babic auf Deutsch vorgetragen – es handelt sich um das berühmte bosnische Lied „Azra“, zu dem Heinrich Heine den Text verfasst hat.

Veranstalter

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Veranstalter der Balkantage ist der 1992 gegründete Migrantenverein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. Informationen zum Verein finden Sie unter: www.hvmzv.de.

Pressekontakt

Hilfe von Mensch zu Mensch e.V.
Muhjidin Musinbegovic
muhjidin.musinbegovic@hvmzm.de

Förderung

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