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Dienstag, 4. April 2017

Theater “Sterben in Kroatien”

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Nach Slavenka Drakulics Essaysammlung "Vom Krieg Mitten in Europa"

Schlichter konnte die Szenerie dieses beeindruckenden Theaterstücks nicht sein: eine Musikanlage, ein Mikrophon, noch nicht einmal eine Bühne. Dafür hatten die Schauspieler eine enorme Präsenz, teilweise schreien sie ins Mikrophon, die Musik wird stellenweise ohrenbetäubend laut. Die Gewalt, die davon ausgeht und keinen Zuschauer unberührt lässt, symbolisiert die Gewalt, die sich durch das ganze Stück zieht. Fast im Gegensatz dazu der stille Tänzer, der abrupt in die Szene einbricht und einzelne Personen mit sich nimmt - der Krieg, das Trauma, der Tod? 

Das Stück setzt eine Essaysammlung von Slavenka Drakulić um. Die Autorin berichtet darin über den Krieg, genau hinschauend, leidenschaftlich mitempfindend, im Privaten das Politische entlarvend. Ihr Buch „Sterben in Kroatien“ umfasst fünfzehn schmale Kapitel. Sie spannen den breiten Bogen von unserer sicheren Tagesschau-Perspektive bis zu jenem weinumrankten Innenhof in Zagreb, in den die späte Nachmittagssonne fällt und der plötzlich wie eine Todesfalle aussieht.

Es sind erschreckende Geschichten, manchmal schrecklich pathetisch. Sie enthüllen den Blick auf einen Krieg mitten in Europa, auf die Autorin und auf das, was dieser Krieg in ihr anrichtet: eine tiefe Verstörung und ein quälendes Gefühl der Schuld, ein Teil dieser Katastrophe zu sein.

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