Eröffnung und Podiumsdiskussion

Datum: 11. November 2011
Ort: Großer Saal im Sudetendeutschen Haus


18.00 Uhr - Eröffnung

Offizielle Eröffnung diesjähriger Balkantage erfolgt durch unsere Schirmherrin, der Frau Staatsministerin Emilia Müller.

Anschließend daran findet ein kleiner Sektempfang für unsere Gäste statt.


19.00 Uhr - Öffentliche Podiumsdiskussion

Die öffentliche Podiumsdiskussion sowie die Vorträge am Samstag Nachmittag stehen unter dem Motto:

„Demokratie und demokratisches Denken auf dem Balkan“

Podiumsteilnehmer sind:

Doris Pack
(Abgeordnete im Europäischen Parlament, Vorsitzende derWahlbeobachtungsdelegation des EP bei allen Wahlen in Bosnien und Herzegowina, Kosovo und Albanien und intime Kennerin der Verhältnisse in diesen Ländern)

 

 

 

 

Peter-Andreas Bochmann
(Projektleiter für die Subregion Südosteuropa der Friedrich-Naumann-Stiftung in Sofia)

Prof. Dr. Ulf Brunnbauer
(Professor für Geschichte Südost- und Osteuropas an der Universität Regensburg und Direktor des Südost-Instituts)

 

 

 

Prof. Dr. Tihomir Cipek
(Politikwissenschaflter an der Universität Zagreb)

Moderation:

Dr. Andreas Ernst (für Südosteuropa zuständiger Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung mit Sitz in Belgrad)

"Demokratie und demokratisches Denken auf dem Balkan"

Nach den politischen Prozessen der 1980er Jahre, die zum Verschwinden des „Ostblocks“ führten, kehrte die Demokratie sozusagen auf den Balkan heim. Doch so sehr der Demokratiebegriff mit dem antiken Griechenland und damit auch mit dem Südosten Europas verbunden ist, steckten Demokratie und demokratisches Denken in der weiteren Balkanregion nach 1989 noch in Kinderschuhen. Politische und wirtschaftliche Transformationsprozesse und schließlich der kriegerische Zerfall Jugoslawiens schreckten einerseits Außenstehende ab, andererseits belasteten sie die Tragfähigkeit des neuen politischen Gewands namens Demokratie. Die vorhandenen Schwierigkeiten waren immens und einige Länder der Region stehen auch heute noch vor großen Herausforderungen, man denke nur allein an die zuweilen schwierige Annäherung an die EU und die mühsame Integration einiger Balkanstaaten in diese.

Insofern möchten die Balkantage ein Thema diskutieren, das die Region auch heute noch im buchstäblichen Sinne bewegt. Dies soll hier in Form eines Podiumsgesprächs mit namhaften Wissenschaftlern und Politikern sowie im Rahmen zweier Vorträge geschehen. Hierbei ist zu hinterfragen, wie sich Staatlichkeit in der Vergangenheit ausformte, was sie heute auf dem Balkan ausmacht und wo darin Demokratie und demokratisches Denken zu verorten sind. Letztlich wäre auch zu erörtern, was politische Partizipation auf dem Balkan ausmacht und welche Inhalte hier mit dem Schlagwort „Zivilgesellschaft“ zu verbinden sind. Immerhin begegnen uns auf dem Balkan heterogene historisch und kulturell geprägte Gesellschaften, die staatlichen Institutionen oftmals misstrauisch gegenüber standen und dies auch heute noch tun. Zwar sind substanzielle Fortschritte bei der Ausgestaltung demokratischer Strukturen auszumachen, was auch bereits durch die Aufnahme Rumäniens und Bulgariens in die EU gewürdigt wurde, oder wenn wie im Falle Kroatiens eine baldige EU-Mitgliedschaft ansteht. Doch selbst in den genannten Ländern wird über mangelnde Transparenz, alte Seilschaften und Misswirtschaft geklagt. Und wenn die griechische Zeitung To Ethnos (Ausgabe vom 9. Februar 2011) feststellt, dass das Tempo der Demokratisierung Albaniens und Makedoniens „hoffnungslos langsam“ sei und diese Länder auch zwanzig Jahre nach dem Fall des „real existierenden Sozialismus“ weiterhin von „Führern mit totalitärer Mentalität“ regiert werden – „demokratisch gewählt - mit mehr oder weniger großem Wahlbetrug“ –, und sogar die Oppositionsführer „selbstverständlich die gleiche, autoritäre Denkweise“ hätten, kann dies als Indiz für ein nicht unerhebliches Demokratiedefizit in der Balkanregion genommen werden, dem sich die Balkantage 2011 widmen wollen.